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AUSZUG AUS DEM FORSCHUNGSBERICHT

Ein gestörter Knochenstoffwechsel wird bei Anorexia nervosa hauptsächlich durch den Body Mass Index und die Krankheitsdauer beeinflusst

Prof. Dr. med. H. Berthold et al.: European Journal of Clinical Nutrition 57 (2003 ), S. 1262- 1267

Die Osteoporose ist eine Knochenerkrankung, die sich in der Regel im Alter manifestiert. Eine Ausnahme von dieser Regel bilden jedoch Patienten mit Anorexia nervosa (AN), eine Erkrankung, an der vor allem jüngere Frauen leiden. Bereits in jungen Jahren haben diese eine erhöhte Knochenbrüchigkeit, wobei die Knochendichte gegenüber der Altersnorm massiv erniedrigt ist. Die AN betrifft hauptsächlich adoleszente und prämenopausale Frauen und hat in den westlichen Ländern eine Prävalenz von 0,2 bis 1 %. Bei 50 % der Mädchen mit AN beobachtet man eine Osteopenie und der Beginn der Erkrankung fällt meist mit der Phase der Entwicklung der so genannten Peak Bone Mass zusammen.



Ergebnisse



arrow Die mittlere Erkrankungsdauer bei den Patientinnen betrug 91 Monate.


arrow Der durchschnittliche Gewichtsverlust vom Ausgangsgewicht lag bei 26 %.


arrow Das durchschnittliche Körpergewicht betrug bei den Patientinnen 43 kg, bei den Kontrollen 62 kg entsprechend einem BMI von 15 bzw. 22 kg/m2.


arrow Hochsignifikante Unterschiede zwischen den Gruppen fanden sich bei der Körperzusammensetzung.

So hatten die Patientinnen bzw. Kontrollen 5 bzw. 18 kg Gesamtkörperfett, eine Muskelmasse von 14 bzw. 19 kg und eine fettfreie Masse von 37 bzw. 44 kg. Während die TSH-Spiegel (schilddrüsenstimulierendes Hormon) zwischen Patientinnen und Kontrollen vergleichbar waren, lagen die Konzentrationen der freien Schilddrüsenhormone bei AN niedriger. Auch Insulinspiegel, Blutzuckerspiegel und das Verhältnis von Insulin zu Blutzucker war bei AN niedriger, während Cortisolspiegel bei AN höher waren.

Schlussfolgerungen


arrow In der vorliegenden Untersuchung wurde eine ca. vierfach höhere CTx/Osteocalcin-Ratio bei Patientinnen mit Anorexia nervosa im Vergleich zu gesunden Frauen gefunden, welche eine ausgeprägte Entkoppelung der Knochenformationsprozesse von den Knochenresorptionsprozessen anzeigt. Der BMI war dabei der stärkste unabhängige Prädiktor. Frühere Daten, die eine ausgeprägte Störung des Knochenstoffwechsels gezeigt hatten, wenn ein BMI < 17,5 kg/m2 erreicht wird, werden somit bestätigt. Da der BMI klinisch leicht bestimmbar ist, liegt damit auch ein simpler und praktikabler Parameter zur Abschätzung des Risikos für Störungen im Knochenstoffwechsel bei AN vor.

Da die Patientinnen in der vorliegenden Studie bereits ca. 26 % ihres prämorbiden Körpergewichts verloren hatten, sind die niedrigen Konzentrationen des Knochenbildungsmarkers Osteocalcin und die hohen Konzentrationen des Knochenabbaumarkers CTx Ausdruck eines Adaptationsprozesses im Verlaufe der Erkrankung. Es ist aber überraschend, dass diese Entwicklung der Prozesse nach einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 91 Monaten offensichtlich noch persistiert. Neuere Hinweise aus der Literatur zeigen, dass der Abbau des Knochens dem Abbau der Muskulatur mit einer Verzögerung von mehreren Monaten nachfolgt.


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